Was ihr jetzt tun solltet und was nicht
Tun
1. Bestandsaufnahme machen
Welche eurer Produkte fallen unter den CRA? Welche haben digitale Elemente, die auf dem EU-Markt sind? Das klingt trivial, ist es aber oft nicht, besonders bei Unternehmen mit gewachsenem Produktportfolio.
2. Meldeprozess aufbauen (Priorität 1)
Die Meldepflichten greifen ab September 2026. Ihr braucht einen funktionierenden Prozess: Wer erkennt einen Vorfall? Wer meldet ihn? Über welchen Kanal? In welchem Format? Das lässt sich in wenigen Wochen aufsetzen, wenn ihr jetzt anfangt.
3. SBOM erstellen
Dokumentiert die Abhängigkeiten eurer Produkte. Welche Bibliotheken, welche Versionen, welche bekannten Schwachstellen? Tools dafür existieren (Syft, Trivy, Grype, Dependency-Track). Das ist kein Hexenwerk, aber es muss gemacht werden.
4. Entwicklungsprozesse prüfen
Security by Design ist kein Zusatzprojekt. Es ist eine Eigenschaft eures Entwicklungsprozesses. Prüft: Gibt es Code Reviews mit Security-Fokus? Automatisierte Schwachstellen-Scans in der CI/CD-Pipeline? Sichere Standardkonfigurationen? Dokumentierte Architektur-Entscheidungen?
5. Technische Dokumentation aufbauen
Der CRA verlangt eine nachvollziehbare technische Dokumentation. Nicht 500 Seiten, aber genug, um nachweisen zu können, dass ihr die Anforderungen kennt und umsetzt.
Nicht tun
Panik. Der CRA ist anspruchsvoll, aber machbar. Besonders für Standardprodukte (Selbstdeklaration) ist der Aufwand überschaubar, wenn die Grundlagen stimmen.
Kein "CRA-Projekt" mit Big-Bang-Ansatz. Wer versucht, in 6 Monaten alles auf einmal umzusetzen, wird scheitern. Besser: schrittweise in den bestehenden Entwicklungsprozess integrieren. Meldeprozess zuerst, dann SBOM, dann Dokumentation.
Keine Angst vor dem SBOM. Es klingt kompliziert, ist aber im Kern ein automatisierter Export eurer Dependency-Dateien in einem standardisierten Format. Wenn eure Codebasis sauber gemanagt ist, ist das ein Tool-Setup, kein Projekt.