Wenn Excel zur Betriebsgefahr wird

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Bei Sika liefen die Produktberechnungen über dutzende dezentrale Excel-Files. Jedes Land hatte seine Version, jede Version hatte ihre eigene Formelhistorie. Wenn ein Produktmanager eine Zahl änderte, wusste niemand, welche der zwanzig Kopien danach noch stimmte.
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Das ist kein Einzelfall. Wir sehen es regelmässig: ein Tool, das einmal als praktische Lösung begann, wird mit der Zeit zur Betriebsgefahr. Nicht weil Excel schlecht ist, sondern weil es für diesen Zweck nicht gebaut wurde.

Wann ein Tabellenkalkulationstool zum Problem wird

Die Symptome sind überall gleich:

  • Versionschaos. Wer arbeitet mit welcher Datei? Ohne zentrale Kontrolle verlierst du die Übersicht schnell – und mit ihr das Vertrauen in die Resultate.
  • Keine Nutzungsdaten. Du weisst nicht, wer das Tool wie oft nutzt, mit welchen Eingaben und mit welchen Fehlern. Das macht Verbesserungen zum Raten.
  • Fehler ohne Netz. Eine überschriebene Formel merkt niemand, bis das Ergebnis falsch ist. Dann sucht jemand zwei Stunden.
  • Keine Systemanbindung. CRM, ERP, Produktdatenbank: Excel spricht mit niemandem. Jede Doppelerfassung ist ein Fehlerrisiko.

Die meisten dieser Tools sind nicht kaputt. Sie sind einfach für einen Moment gebaut worden, der längst vorbei ist.

Was eine Web-Applikation anders macht

Eine Web-Applikation ändert das grundlegende Funktionsprinzip.

Alle nutzen dieselbe Version. Immer. Eine Formeländerung gilt sofort für alle, weltweit. Eingabemasken erzwingen valide Werte, bevor eine Kalkulation startet. Dashboards zeigen, welche Felder regelmässig Fehler produzieren. Und die Applikation kann an bestehende Systeme angebunden werden: Produktdatenbanken, Genehmigungsworkflows, Reporting-Tools.

Das klingt nach mehr Aufwand. Ist es auch. Aber der Aufwand, den ihr heute mit Versionsabgleichen, Fehlersuche und doppelter Datenpflege betreibt, ist nur unsichtbarer.

Das Sika-Projekt: von dezentralen Files zur Calculator Factory

Sika wollte nicht einfach «Excel durch eine App ersetzen». Die Anforderung war: alle Produktkalkulatoren auf einer Plattform, zentral betrieben, weltweit ausrollbar, mit konsistenter Formellogik.

Wir haben das schrittweise umgesetzt. Zuerst haben wir die bestehenden Excel-Tools auseinandergenommen: jeden Rechenschritt einzeln validiert, jeden Sonderfall dokumentiert. Erst dann haben wir gebaut.

Heute läuft die Calculator Factory als Web-App. Produktmanager:innen bei Sika weltweit arbeiten mit denselben Formeln, derselben Oberfläche, denselben Validierungsregeln. Updates werden einmal eingespielt und sind sofort überall aktiv.

Der grösste Gewinn war nicht die Technologie. Es war das Ende des Zweifels: «Stimmt diese Zahl noch?»

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Was solche Projekte schwierig macht

Wir sagen das lieber von Anfang an, damit keine falschen Erwartungen entstehen.

  • Die Rechenlogik im Original ist fast nie sauber dokumentiert. In jedem Projekt finden wir Formeln, die «irgendwann mal jemand gebaut hat» und die niemand mehr vollständig versteht. Die Validierungsphase vor der Entwicklung ist deshalb aufwendiger als erwartet.
  • Nutzerakzeptanz ist keine Selbstverständlichkeit. Wer zehn Jahre mit einem Tool gearbeitet hat, wechselt nicht freudig. Das Design der neuen App muss besser sein als Excel. Nicht anders, besser.
  • Performance ist keine Selbstverständlichkeit. Komplexe Kalkulationen müssen in einer Web-App gleich schnell sein wie im Sheet nebenan. Das braucht Architekturentscheidungen, keine Standardlösung.

Wann eine Web-App die falsche Antwort ist

Wenn die Berechnung wirklich nur intern genutzt wird, kein Versionsproblem existiert und keine Anbindung gebraucht wird: dann ist ein Excel-Sheet die richtige Antwort. Günstiger, schneller, wartungsärmer.

Wir sagen das, weil wir keine Web-App bauen wollen, die in drei Jahren selbst zum Problem wird.

Was der nächste Schritt ist

Wenn ihr ein Tool habt, das zu wichtig ist, um unzuverlässig zu sein, und zu komplex, um es manuell zu synchronisieren: dann lohnt sich das Gespräch. Das gilt für einen Weltkonzern mit 200 Länderniederlassungen genauso wie für ein Team mit fünfzehn Leuten.

Nicht um sofort ein Projekt zu starten. Sondern um zu verstehen, ob eine Web-App das Richtige ist. Oder ob es eine andere Lösung gibt, die besser passt.

Roger Wicki
Der Autor / 

Roger Wicki

"Du hast auch ein Excel, das zu wichtig ist, um unzuverlässig zu bleiben? Lass uns reden."

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