KI Bildmoderation mit individuellem Traning

85 % der Bilder, die unser Moderations-Setup als Verstoss markierte, waren gar keiner. Jedes davon landete trotzdem im manuellen Review, weil das Basismodell von Amazon Rekognition einen erlaubten Normalfall nicht von einem echten Verstoss unterscheiden konnte.

Wir haben das Modell nicht ersetzt, sondern nachkalibriert: mit benutzerdefinierter Moderation und 45 Trainingsbildern, die genau die Fälle abbilden, an denen das Basismodell scheiterte.

Das Resultat: 80 % weniger Fehlmarkierungen, gemessen über 6 Wochen an mehr als 100'000 Bildern, die durch die Moderation liefen. Kein einziger echter Verstoss ist dabei durchgegangen.

In diesem Beitrag zeigen wir, wo Standard-Bildmoderation an ihre Grenzen stösst, wie ein Adapter technisch funktioniert und wo er selbst nicht mehr weiterhilft.

Warum markiert die automatisierte Bildmoderation zu viel?

Weil das Basismodell nach einer allgemeinen Taxonomie entscheidet, nicht nach deiner Richtlinie. Es erkennt ein Moderationslabel und markiert. Ob dieses Label auf deiner Plattform überhaupt ein Problem ist, kann es nicht wissen.

Das Muster lässt sich an einem Beispiel erklären. Stell dir eine Plattform für Restaurantbewertungen vor. Rekognition vergibt für jedes Foto mit einem Weinglas auf dem Tisch ein Alkohol-Label. Ein Glas Wein neben dem Teller ist für eine Restaurantplattform kein Verstoss, sondern der Normalfall. Ein Tisch voller leerer Gläser und Flaschen ist etwas anderes. Genau diese Unterscheidung trifft das Basismodell nicht: Es sieht Alkohol und markiert. Wer das Label so übernimmt, schickt die halbe Plattform ins manuelle Review.

Genau das ist bei uns passiert. Rekognition markierte systematisch ein ganzes Moderationslabel als Verstoss, obwohl dieses Label auf der Plattform ausdrücklich erlaubt war. Ein Verstoss lag erst vor, wenn ein zweites, spezifischeres Label dazukam. Das Basismodell kannte diese Regel nicht, weil es sie nicht kennen kann.

Rund 85 % der markierten Bilder waren damit gar kein Verstoss, sogenannte False Positives oder Fehlmarkierungen. Jedes davon landete trotzdem im manuellen Review. Ein Supervisor musste jedes einzelne Bild öffnen, beurteilen und freigeben, bevor es live gehen konnte. Bei laufendem Upload-Volumen ist das kein Rand-Ärgernis, sondern ein täglicher Zeitfresser, der die Freigabe verzögert und Anbieter:innen frustriert, deren völlig legitime Inhalte in der Warteschlange hängen.

Wer Nutzer:innen erlaubt, Bilder öffentlich zu publizieren, kommt um Moderation nicht herum. Sobald Inhalte für andere sichtbar werden, trägt die Plattform die Verantwortung dafür, was dort zu sehen ist. Das gilt für jede Plattform mit nutzergenerierten Inhalten, und wie weit diese Verantwortung reicht, ist zunehmend auch eine regulatorische Frage. Was der EU AI Act für Web-Applikationen bedeutet, haben wir separat aufgeschrieben.

Was macht ein Adapter für benutzerdefinierte Moderation anders?

Er legt eine zusätzliche Schicht auf das bestehende Modell, statt es zu ersetzen. Du trainierst diesen Adapter mit eigenen, gelabelten Beispielen, damit er innerhalb der bestehenden Moderationslabels genauer unterscheidet.

Amazon nennt das Feature benutzerdefinierte Moderation, im Englischen Rekognition Custom Moderation. Die Komponente selbst heisst Adapter. Sie verändert nicht, was Rekognition grundsätzlich erkennen kann, sondern schärft die Kalibrierung innerhalb der bestehenden Moderationskategorien.

Für unseren Fall bedeutete das: Wir haben Trainingsbilder gesammelt, bei denen genau die beschriebene Grenze korrekt gelabelt war, und den Adapter darauf trainiert, diese Fälle richtig einzuordnen.

Wie viele Trainingsbilder braucht es wirklich?

In unserem Fall nur 45. Kein grosses Datenset, kein monatelanges Sammelprojekt. Die Fehlmarkierungsrate ist danach um rund 80 % gesunken.

Die Zahlen im Überblick:

  • Mehr als 100'000 Bilder liefen im Messzeitraum durch die Moderation
  • Messzeitraum: 6 Wochen nach dem Rollout
  • 85 % der Markierungen waren vorher Fehlmarkierungen
  • 45 Trainingsbilder für den Adapter
  • 80 % weniger Fehlmarkierungen danach
  • Kein fälschlich freigegebener Verstoss

Diese Relation ist die eigentliche Pointe des Cases. Wer „benutzerdefiniertes Training“ hört, denkt oft an tausende gelabelte Bilder und ein Team, das nur damit beschäftigt ist. Für einen Adapter, der ein bestehendes Moderationslabel präzisiert, reicht ein deutlich kleineres, gezielt zusammengestelltes Set. Der Aufwand liegt nicht im Volumen der Daten, sondern in der Präzision: saubere Labels, klare Abgrenzung der Grenzfälle, ein Set, das die tatsächlichen Fehlerfälle des Basismodells abbildet.

Lässt ein Adapter echte Verstösse durch?

In den 6 Wochen nach dem Rollout haben wir keinen einzigen Fall gefunden, den der Adapter fälschlich freigegeben hätte. Das ist kein mathematischer Beweis, sondern der Stand nach dem ersten Betriebszeitraum. Wir prüfen weiter.

Die Frage ist berechtigt. Ein Modell, das weniger markiert, könnte grundsätzlich auch echte Verstösse übersehen. Deshalb ist die Abgrenzung im Trainingsset entscheidend: Der Adapter lernt nicht „markiere weniger“, sondern „unterscheide zwischen diesem erlaubten Normalfall und jenem echten Verstoss“. Wer das Set nur mit Fehlmarkierungen füllt und die echten Verstösse weglässt, bekommt genau das Problem, das die Frage unterstellt.

Wann reicht benutzerdefinierte Moderation nicht mehr?

Wenn du einen Inhaltstyp erkennen willst, den Rekognition gar nicht kennt. Benutzerdefinierte Moderation präzisiert bestehende Moderationslabels. Sie ist kein Werkzeug für komplett neue Kategorien.

Dafür gibt es Amazon Rekognition Custom Labels, ein separates Feature: Du trainierst ein eigenes Modell für Objekte oder Konzepte, die spezifisch für dein Geschäft sind, zum Beispiel dein Firmenlogo, bestimmte Maschinenteile oder Produktkategorien auf Ladenregalen. AWS weist selbst darauf hin, dass Custom Labels nicht für die Erkennung unsicherer Inhalte gedacht ist.

Die Faustregel: Geht es darum, ein bestehendes Moderationslabel schärfer von einem erlaubten Normalfall abzugrenzen, ist benutzerdefinierte Moderation der richtige Hebel. Geht es darum, einen komplett neuen, moderationsfremden Inhaltstyp zu erkennen, brauchst du Custom Labels oder eine Kombination aus beidem.

Was heisst das für deine eigene Moderation?

Wir beschreiben hier die Moderation mit AWS Rekognition. Bei anderen Tools funktioniert das aber ganz ähnlich. 

Prüfe bei wiederkehrenden Fehlmarkierungen zuerst, ob ein Adapter das Problem löst, bevor du in Custom Labels oder eine eigene Bilderkennung investierst. Der Aufwand ist überschaubar und das Ergebnis lässt sich klar messen.

Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten verlassen sich in der Regel auf das Basismodell ihres Cloud-Anbieters und akzeptieren die Fehlmarkierungsrate als gegeben. Das muss nicht sein. Der Hebel liegt oft nicht in mehr Rechenpower oder einem anderen Anbieter, sondern in einem kleinen, präzisen Trainingsset für genau die Labels, die in der eigenen Anwendung tatsächlich Probleme machen.

Aufgefallen ist uns das Muster nicht in einem Workshop, sondern im Betrieb. Wir betreiben die Moderations-Pipeline dieser Plattform. Wir sehen die Review-Queue, und wir hören es, wenn Supervisor:innen dieselbe Art von Bild zum fünfzigsten Mal freigeben. Ein Adapter mit 45 Trainingsbildern ist kein Projekt, das jemand verkauft. Es ist die Art von Korrektur, die entsteht, wenn dieselben Leute beraten, bauen und betreiben.

Wie wir bei KI-Themen vorgehen, wenn Daten die Schweiz nicht verlassen dürfen, haben wir am Beispiel einer Plattform mit über 100'000 Inseraten pro Monat aufgeschrieben.

Fazit

Automatisierte Bildmoderation scheitert selten daran, dass das Modell zu schwach ist. Sie scheitert daran, dass es deine Richtlinie nicht kennt.

45 Trainingsbilder haben in unserem Fall gereicht, um 80 % der Fehlmarkierungen loszuwerden, gemessen über 6 Wochen an mehr als 100'000 Bildern. Das ist kein Datenprojekt, das ist eine Kalibrierung.

Du betreibst eine Plattform, auf der die automatische Moderation zu viel markiert? Schreib uns, welches Label betroffen ist. Wir sagen dir, ob ein Adapter reicht oder ob das Problem woanders liegt. Und wenn deine Moderation noch komplett manuell läuft: Das ist der häufigere Fall. Auch da lohnt sich der Blick, was sich automatisieren lässt und was besser bei einem Menschen bleibt. Der AI Opportunity Scan ist dafür der schnellste Einstieg.

Fragen & Antworten / 

Häufige Fragen zur automatisierten Bildmoderation

Ein Bilderkennungsdienst prüft jeden Upload gegen eine Taxonomie von Moderationslabels und markiert Treffer zur Prüfung. Was davon ein echter Verstoss ist, entscheidet danach ein Mensch oder eine Regel in deiner Applikation. Das Basismodell kennt deine Richtlinie nicht. Es kennt nur seine Kategorien.

Rekognition Custom Moderation ist eine Zusatzschicht auf dem bestehenden Modell. Du trainierst einen Adapter mit eigenen, gelabelten Beispielen, damit er innerhalb der bestehenden Moderationslabels genauer unterscheidet. Das Modell selbst wird nicht ersetzt, sondern nachkalibriert.

In unserem Fall haben 45 Bilder gereicht. Die Fehlmarkierungsrate ist danach um 80 % gesunken, gemessen über 6 Wochen an mehr als 150'000 Bildern, die durch die Moderation liefen. Entscheidend ist nicht die Menge der Trainingsdaten, sondern dass das Set genau die Fälle abbildet, an denen das Basismodell scheitert.

Benutzerdefinierte Moderation schärft bestehende Moderationslabels. Custom Labels trainiert ein eigenes Modell für Objekte, die Rekognition gar nicht kennt, zum Beispiel dein Firmenlogo oder bestimmte Maschinenteile. AWS weist selbst darauf hin, dass Custom Labels nicht für die Erkennung unsicherer Inhalte gedacht ist.

Über ongoing

Wir bauen seit über 20 Jahren geschäftskritische Plattformen und betreiben sie danach auch. KI-Integration in bestehende Systeme gehört dazu, wenn sie einen messbaren Unterschied macht. Wie in diesem Fall: 45 Bilder, 80 % weniger manuelles Review. 

Kevin Thalmann
Der Autor /

Kevin Thalmann

„Wenn deine Moderation zu viel markiert: Schreib mir. Ich sage dir, ob ein Adapter reicht oder ob das Problem woanders liegt. Ehrlich und unverbindlich.“

✉️ E-Mail schreiben: kevin.thalmann@ongoing.ch
🤙 Ruf mich an: +41 41 783 12 70
📝 Schreib mir eine Nachricht:

Im nächsten Schritt fragen wir dich noch nach deiner E-Mail Adresse.

Senden
👋 Hast du Fragen?kevin-190x190
ongoing Logo
swiss made software
Adresse
ongoing GmbH

ongoing ist dein technischer Partner für geschäftskritische Applikationen und Plattformen. Gross genug für komplexe Plattformen, klein genug für direkte Kommunikation. Kein Overhead. Inhabergeführt seit 2006, Zug (CH), 3× ISO-zertifiziert).

Hinterbergstrasse 28
6312 Steinhausen
🤙 +41 41 783 12 70
✉️ info@ongoing.ch
Zertifiziert
ISO 27001ISO 9001ISO 14001